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4. Kriterien für die Evaluation

4.1 Ziel-Server und Ziel-Clients
4.2 Verfügbarkeit
4.2.1 Network Management System (NMS)
4.2.2 Eingesetzte Komponenten
4.2.3 Leistungsgarantie
4.3 Charakteristiken der ISP's
4.3.1 Klassen von ISP's
4.3.2 Überbuchungsfaktor
4.4 Support und Services
4.4.1 Support
4.4.2 SW-Archiv

4.1 Ziel-Server und Ziel-Clients

Jede Firma wird ihre bevorzugten Server mit den für sie interessanten Informationen haben. Es ist wichtig, dass ein ISP gewählt wird, der eine möglichst gute Verbindung zu diesen Ziel-Servern hat. Für viele Firmen wird es in der Regel so sein, dass sich die wichtigsten Destinationen in den USA befinden und eine gute Transatlantik-Verbindung benötigt wird. ISP mit eigenen Verbindungen in die USA haben den Vorteil einer für sie garantierten Bandbreite und erlauben ihren Kunden auf direktestem Weg (wenige Hops) zum Ziel zu gelangen.

Zusätzlich zum Bezug von Daten werden viele Firmen auch selber Informationen für ihre Kundschaft auf dem Internet zur Verfügung stellen wollen (z. B. durch einen firmeneigenen WWW-Server). Hier ist es wichtig, dass der gewählte ISP eine gute Verbindung zum Zielpublikum (den Ziel-Clients) ermöglicht. Man muss sich also überlegen, wo der grösste Teil des Zielpublikums angeschlossen ist und wie die Verbindungen der in Frage kommenden ISP dorthin realisiert sind.

Ziel-Server und Ziel-Clients

Die Beurteilung der Erreichbarkeit von Ziel-Clients und Ziel-Servern kann in der Praxis relativ komplex sein und ist aufgrund der Natur des Internets auch ständig Änderungen unterworfen. Firmen die ein ganz bestimmtes Publikum ansprechen wollen, sollten dieses Kriterium genau untersuchen und auch entsprechend stark gewichten.


4.2 Verfügbarkeit

Einer der wichtigsten Faktoren eines Internet-Anschlusses ist sicher die Verfügbarkeit. Die Internet-Verbindung sollte eigentlich immer und nach überall verfügbar sein. Aufgrund der Natur des Internets kann jedoch kein ISP garantieren, dass alle Destinationen weltweit jederzeit erreichbar sind.


4.2.1 Network Management System (NMS)

Um sein Netzwerk vernünftig verwalten zu können, muss ein ISP im Minumum ein Netzwerk-Management System (NMS) basierend auf SNMP (Simple Network Management Protocol) einsetzen. Nur so ist es für ihn möglich, allfällige Probleme oder Engpässe möglichst frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Ein ISP der kein NMS einsetzt, überlässt das Troubleshooting seinen Kunden, was für diese ausserordentlich aufwendig sein kann. Der Einsatz eines NMS ermöglicht es dem ISP zu agieren, d. h. sein Netzwerk aktiv zu betreiben und vorbeugende Massnahmen zu ergreifen, währenddem er ohne NMS nur reagieren kann.


4.2.2 Eingesetzte Komponenten

Es ist klar, dass die Qualität der vom ISP eingesetzten Komponenten und Produkte und deren Installation, die Verfügbarkeit ebenfalls beeinflussen. Werden z. B. qualitativ hochstehende Produkte verwendet, so kann mit einer höheren Verfügbarkeit gerechnet werden, als wenn Billigprodukte eingesetzt werden.

Hat der Internet-Anschluss für eine Firma einen hohen Stellenwert, so lohnt es sich auf jeden Fall den potentiellen ISP's einen Besuch abzustatten und sich ein Bild über deren Installation zu machen. Rein das optische Bild der Installationen sagt schon viel über die zu erwartende Verfügbarkeit aus. Sind z. B. die Modems ohne weitere Vorkehrungen einfach auf einem Schreibtisch aufgeschichtet, so ist dort sicher mit einer schlechteren Verfügbarkeit zu rechnen, als bei einem ISP wo alles sehr sauber in einem Rack montiert ist und sich das Rack in einem klimatisierten Rechnerraum befindet.


4.2.3 Leistungsgarantie

In den USA bieten verschiedene ISP ihren Kunden eine garantierte Service-Leistung an. Garantiert bedeutet, dass die ISP's ihren Kunden im Falle einer Störung innerhalb ihres Netzes Rabatte entsprechend der Unterbruchszeit gewähren. Provider die ihren Kunden solche Konditionen anbieten, werden garantiert für eine bessere Verfügbarkeit besorgt sein, als andere.


4.3 Charakteristiken der ISP's

4.3.1 Klassen von ISP's

Es können grundsätzlich zwei Klassen von ISP's unterschieden werden:

  • ISP's der ersten Stufe
  • ISP's der zweiten Stufe
  • Im folgenden Bild sind die Unterschiede dargestellt.

    Klassen von ISP's

    ISP's der ersten Stufe betreiben ein eigenes mindestens nationales Netzwerk (Autonomous System) und stellen selber Verbindungen zu anderen wichtigen ISP's her.

    ISP's der zweiten Stufe sind an einem ISP der ersten Stufe angeschlossen und realisieren selber keine Verbindungen zu Netzen von anderen ISP's. Sie stellen eigentlich ein Teilnetz eines ISP's der ersten Stufe dar und sind Teil seines Autonomous System. Die Realisierung von Verbindungen zu Netzen anderer ISP's überlassen sie vollständig den ISP's der ersten Stufe.

    Die Klasse des ISP's hat grosse Auswirkungen auf die Verfügbarkeit und die Kommunikationsfähigkeit eines Teilnehmers, was im folgenden Bild dargestellt ist.

    Verfügbarkeit und Hops

    Das Bild zeigt die Kommunikation eines Clients (z. B. ein PC) Firma) zu einem Server auf dem Internet. Es werden zwei verschiedene Verbindungspfade unterschieden. Der erste führt vom Client über einen ISP der ersten Stufe direkt zum Ziel-Server, während der zweite Pfad zuerst über zwei in Serie geschaltene ISP's der zweiten Stufe und dann über den gleichen ISP der ersten Stufe zum Ziel-Server führt.

    Wenn man annimmt, dass die Verfügbarkeit von allen Netzen bei 95% liegt, so sieht man, dass sich die Verfügbarkeit des gesamten Pfades (vom Client zum Server) folgendermassen unterscheidet:

    Pfad Beschreibung Gesamtverfügbarkeit V
    1 ISP erster Stufe V(ISP3) = 95%
    2 via zwei ISP's zweiter Stufe V(ISP1) * V(ISP2) * V(ISP3) = 86%

    Man sieht sehr deutlich, dass bei einem Anschluss an einen ISP zweiter Stufe immer eine schlechtere Gesamtverfügbarkeit resultiert, als wenn der Anschluss direkt bei einem ISP der ersten Stufe realisiert wird.

    Ein Datenpaket kann nicht in einem Schritt durch ein ganzes Netzwerk geschaltet werden. Es sind verschiedene Zwischenstationen (Router) notwendig, die das Datenpaket empfangen, zwischenspeichern und an andere Zwischenstationen weiterleiten. Eine solche Zwischenstation wird als Hop bezeichnet. Die gesamte Anzahl Hops für beide Verbindungspfade sieht folgendermassen aus:

    Pfad Beschreibung Anzahl Hops H
    1 ISP erster Stufe H(ISP3) = 25
    2 via zwei ISP's zweiter Stufe H(ISP1) + H(ISP2) + H(ISP3) = 35

    Jeder zusätzliche Hop verursacht eine zusätzliche Verzögerungszeit. Beim Anschluss an einen ISP zweiter Stufe wird die Anzahl Hop's in der Regel grösser sein, als beim Anschluss an einen ISP der ersten Stufe, was zu einer grösseren Verzögerungszeit führt.

    Viele Geräte die heute im Internet im Einsatz stehen, haben einen maximalen Hop-Count von ca 30. Wird bei einem Verbindungspfad dieser Maximalwert überschritten, so werden die entsprechenden Datenpakete nicht weitergeleitet und eine Kommunikation ist nicht mehr möglich. Je "weiter aussen" man sich am Internet anschliesst, desto grösser wird das Risiko, dass mit gewissen Systemen nicht kommuniziert werden kann, da die max. Anzahl Hops überschritten wird. Ein ISP der ersten Stufe ermöglicht daher das grössere Kommunikationspotential als ein ISP der zweiten Stufe.


    4.3.2 Überbuchungsfaktor

    Ein wichtiger Aspekt ist die Art und Weise wie die ISP's selber am Internet angeschlossen sind. Kleinere ISP's haben typischerweise nur einen Übergang mit beschränkter Bandbreite, während grössere ISP zwei oder mehrere Übergänge aufweisen.

    Zudem ist sehr wichtig, wieviele Kunden (LAN-Kunden und Anzahl Dial-Up-Zugangslinien) ein ISP bereits über seinen Internet-Anschluss erschlossen hat. Da diese Informationen in der Regel nur sehr schwer von den verschiedenen ISP's zu bekommen sind, wird ein Vergleich sehr schwierig. Trotzdem sollte wenigstens versucht werden die Kapazitäten eines ISP's abzuschätzen. Dazu kann folgende Grobabschätzung durchgeführt werden:

    Überbuchungsfaktor Internet-Zugang U =
    (Total Bandbreite angeschlossener Kunden BK) / (Total Bandbreite zum Internet BI)

    Dazu folgendes Beispiel:

    Nehmen wir an, ein ISP hat eine 64 kbit/s- sowie eine 128 kbit/s-Verbindung zum Internet. An seinem Netzwerk sind 2 Kunden (A und B) jeweils über eine 64kbit/s-Leitung angeschlossen. Zudem betreibt der ISP drei Modem-Linien mit einer Bandbreite von 28.8 kbit/s.

    Überbuchungsfaktor

    Der Überbuchungsfaktor für diese Konfiguration berechnet sich folgendermassen:

    U = BK / BI
    = (2 * 64 + 3*28.8) / (128 + 64)
    = 1.12

    Grundsätzlich lässt sich sagen, je tiefer der Überbuchungsfaktor desto besser, wobei ein Wert bis ca 8 ("The Inet-Access Frequently Asked Question List") durchaus toleriert werden kann.


    4.4 Support und Services

    Das Internet wird nicht von einer Instanz verwaltet, es ist vielmehr ein Zusammenschluss von vielen unabhängigen Netzen (Autonomous System). Es gibt also keine Organisation welche die Verantwortung für die Funktionsweise des gesamten Internets übernehmen kann. Aufgrund dieser Tatsache, wird es mit Bestimmtheit von Zeit zu Zeit zu Problemen kommen, die kein ISP verhindern kann. In solchen Situationen ist es besonders hilfreich, wenn man auf einen guten Support zurückgreifen kann.

    Firmen, die einen eigenen Informations-Server auf dem Internet betreiben, sollten brücksichtigen, dass während der Dauer eines Unterbruchs, ihr Server für Kunden nicht zur Verfügung steht. Alle Leute die während dieser Zeit versuchen auf den Firmen-Server bleiben erfolglos.

    In der Regel wird ein Benutzer nach zwei bis drei erfolglosen Verbindungsversuchen abbrechen und es ist nicht gesagt, ob diese Benutzer jemals wieder versuchen wird den Firmenserver zu erreichen. Bei einer schlechten Verfügbarkeit können so, in relativ kurzer Zeit, viele potentielle Kunden verloren gehen.


    4.4.1 Support

    Damit das Internet in grösseren Firmen als nützliches Werkzeug eingesetzt werden kann, muss es eigentlich 7 Tage in der Woche und 24 Stunden pro Tag verfügbar sein. Da das Internet zeitweise relativ stark überlastet ist, wird ein Teil der Benutzer vorallem Randstunden oder Wochenenden benutzen um die gewünschten Informationen zu finden.

    Je nach Bedeutung des Internet-Zuganges sind Telefon-Support, Callback-Support oder E-Mail-Support genügend. Die von den verschiedenen ISP's angebotenen Services variieren sehr stark. Gewisse ISP's bieten für ihre LAN-Kunden einen 24-Stunden Pikett-Dienst an, währenddem andere nur einen E-Mail-Support unterstützen.


    4.4.2 SW-Archiv

    Verschiedene der grösseren ISP's verwalten eigene Archive mit SW. Da sich diese Archive im Netzwerk des ISP befinden sind sie unabhängig vom aktuellen Status des Internets (Verfügbarkeit, Auslastung) und erlauben daher einen optimalen Zugriff. Wenn grosse Datenmengen vom Internet geladen werden sollen, bieten solche lokalen SW-Archive grosse Vorteile.

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    Aktualisiert: 21.12.05
     
     

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