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3. Nutzwertanalyse

3.1 Wie sind fehlende Angaben des ISP zu bewerten?
3.2 Wie sind allfällige Mehrkosten zu beurteilen?

In den meisten der bis heute veröffentlichten ISP-Vergleiche in der Schweiz werden die verschiedenen Anschlussarten aufgrund der anfallenden Kosten verglichen. In solchen Zusammenstellungen kommen die individuellen Leistungen und Qualitäten der verschiedenen ISP's nicht zum Ausdruck. Wir sind daher der Meinung, dass ein Kostenvergleich nur die eine Seite der Evaluation darstellt, und dass zusätzlich eine Nutzwertanalyse der angebotenen Leistungen der in Frage kommenden ISP's notwendig ist. Die Nutzwertanalyse gibt Auskunft darüber, wie die verschiedenen ISP's die für die betreffende Firma wichtigen Kriterien erfüllen. Für den definitiven Entscheid kann die Nutzwertanalyse mit den sich ergebenden Kosten verglichen werden.

Folgende Tabelle enthält einen Vorschlag wie eine solche Nutzwertanalyse aussehen könnte.

Kriterien Gewicht
G
Provider A Provider B
Erfüllung
E
Nutzwert
N=G*E
Erfüllung
E
Nutzwert
N=G*E
Erschliessung Ziel-Publikum          
Ziel-Server 10 4 40 3 30
Ziel-Clients 10 5 50 4 40
Verfügbarkeit          
NMS 15 5 75 1 15
Eingesetzte Komponenten 5 4 20 4 20
Leistungsgarantie 10 1 10 1 10
Charakteristik ISP          
Klasse (Stufe 1, 2) 15 5 75 1 15
Überbuchungsfaktor 10 3 30 3 30
Support und Services          
24/7 Support 20 3 60 3 60
SW-Archiv 5 2 10 2 10
           
Total 100%   370   230

Alle aus Sicht der Firma wichtigen Kriterien werden aufgelistet und mit einem Gewicht G entsprechend ihrer Wichtigkeit versehen, wobei das Total aller Gewichte 100% ergeben muss. Für jeden der in Frage kommenden ISP's wird für jedes Kriterium untersucht, wie gut dieses erfüllt ist und ein Erfüllungswert E zwischen 1 und 5 vergeben. Die verschiedenen Werte für die Erfüllung haben dabei folgende Bedeutung:

1 nicht erfüllt
2 teilweise erfüllt
3 erfüllt
4 gut erfüllt
5 sehr gut erfüllt

Die Multiplikation zwischen Gewicht und Erfüllung ergibt bei jedem Kriterium für jeden Provider einen Nutzwert. Die Summe aller Nutzwerte zeigt wie gut ein Provider die geforderten Anforderungen abdeckt, d. h. der Provider mit dem höchsten gesamten Nutzwert ist der optimale.

Die Nutzwerte können nun mit den damit verbundenen Kosten verglichen werden, und es kann abgeschätzt werden, ob ein allfälliger Mehrnutzen den zu zahlenden Mehrpreis wert ist.

Jede Firma muss die in der hier vorgeschlagenen Nutzwertanalyse angegebenen Kriterien und Gewichtungen überprüfen. Je nach Situation kann es vorkommen, dass für bestimmte Firmen Anpassungen notwendig sind.

Kritiker dieses Vorgehens werden jetzt sicher bemängeln, dass die Vergabe der Gewichtung und der Erfüllungswerte subjektiv ist und dass bereits bei kleinen Abweichungen dieser Werte unter Umständen ein anderes Resultat (optimaler Provider) herauskommt. Solche Kritiken sind durchaus berechtigt! Es kann tatsächlich nicht garantiert werden, dass auf diese Weise in jedem Fall der optimale Provider gefunden wird. Durch die detaillierte und umfassende Analyse wird jedoch im wesentlichen das Hauptziel erreicht und sichergestellt, dass einer der optimalsten Provider gefunden wird.


3.1 Wie sind fehlende Angaben des ISP zu bewerten?

Firmen die ernsthaft einen Internet-Anschluss in Betracht ziehen, sollten die potentiellen ISP's mit Fragen gemäss den definierten Kriterien konfrontieren. Da nicht alle ISP's auf sämtliche Fragen antworten werden, muss man sich überlegen, wie nicht beantwortete Fragen in der Nutzwertanalyse bewertet werden sollen.

Grundsätzlich sind offen gelassene Fragen mit einem Nutzwert N von '0' zu bewerten. Es ist das Recht des Kunden, zu wissen, worauf er sich einlässt und mit welchen Leistungen er rechnen darf. Für den Provider gibt es keinen Grund diese Fragen nicht zu beantworten, es sei denn, er sei sich über die Qualität seines eigenen Services selber nicht ganz im klaren. Auch das Argument, dass es sich hier um vertrauliche oder strategische Informationen handelt, kann von den ISP's nicht geltend gemacht werden, da technisch eigentlich klar ist, wie ein Internet-Anschluss realisiert werden sollte und genügend Dokumente zu diesem Thema erhältlich sind (z. B. "The Inet-Access Frequently Asked Question List", http://www.amazing.com/internet/faq.html).


3.2 Wie sind allfällige Mehrkosten zu beurteilen?

Sobald der ISP mit dem besten Nutzwert bestimmt worden ist, stellt sich die Frage, ob die damit eventuell verbundenen Mehrkosten gerechtfertigt sind.

Dazu das folgenden Beispiel:
Nehmen wir an eine Firma möchte sich über eine 64kbit/s-Mietleitung an das Internet anschliessen. Zur Zeit liegen die Kosten für eine solche Verbindung ganz grob geschätzt etwa zwischen Fr. 1000.- bis Fr. 2000.- monatlich.
Nehmen wir weiter an, dass nach erfolgtem Anschluss ca. 10 Mitarbeiter dieser Firma das Internet als Arbeitsinstrument einsetzen werden und dass diese 10 Mitarbeiter den Internet-Anschluss ca 3 Stunden wöchentlich und 40 Wochen jährlich einsetzen. Die gesamte jährliche Aufwand für die Benutzung des Internets beträgt demzufolge:

Mitarbeiter * Anzahl Wochenstunden * Anzahl Arbeitswochen = 10 * 3 * 40 = 1200 Stunden

Bietet nun ein ISP einen Internet-Anschluss an, der aufgrund seiner Qualität Verzögerungszeiten von 10% verursacht, so bedeutet dies, dass die Mitarbeiter 10% mehr aufwenden müssen um ihre Arbeit verrichten zu können, was 120 Stunden Mehraufwand jährlich verursacht. Verrechnet man eine solche Stunde mit Fr. 100.- so entsteht für die Firma ein jährlicher Mehraufwand von Fr. 12'000.-. Diese Fr. 12'000 entsprechen in etwa den heute üblichen Preisdifferenzen für einen solchen Anschluss. Das Beispiel zeigt, dass nur durch eine kleine Service-Verschlechterung von 10% die gesamten Einsparungen des billigeren Anschlusses durch verursachte Mehrkosten aufgebraucht werden.

Die Servicedifferenz zwischen den besten und den schlechtesten ISP's wird jedoch in vielen Fällen grösser als 10% sein, wodurch bei einem qualitativ besseren ISP deutlich Kosten eingespart werden können. Zudem muss erwähnt werden, dass in vielen Firmen die Anzahl Mitarbeiter die das Internet einsetzen, sowie die wöchentliche Einsatzdauer deutlich höher liegen, als im Beispiel eingesetzt, wodurch schon bei viel kleineren Servicedifferenzen grosse Kostendifferenzen resultieren.

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Aktualisiert: 21.12.05
 
 

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